Nach dem Tod meines Zen-Lehrers war ich zum ersten Mal – nach vielen, vielen Jahren – über den Jahreswechsel zu Hause. Die Zeit nach Heiligabend bis Neujahr war bis zu seinem Tod 2010 ein fester Termin in meinem Kalender. In der Zen-Tradition werden diese intensiven Zeiten der Praxis „Sesshin“ genannt – was so viel bedeutet wie „Herz/Geist berühren“ beziehungsweise „mit dem Herz/Geist in Berührung kommen“.
Es war immer eine ganz besondere Zeit der inneren Einkehr und des Rückzugs. Eine Zeit intensiver Praxis, der Stille und des gemeinsamen Schweigens. Eine Wohltat für die Sinne.
Nach seinem Tod öffnete sich unerwartet für mich die Tür zur Wintersonnenwende und zur Magie der Rauhnächte. Ich begann, mich intensiver mit den Jahreskreisfesten zu beschäftigen. Die Rauhnächte sind für mich bis heute ein Zeitraum der Stille und inneren Einkehr – wenn auch weniger in formeller Praxis.

Ich weiß nicht mehr genau, wann es war – aber es ist sicher über zehn Jahre her –, da bestellte ich mir einen wunderschönen Wollschal bei einem kleinen irischen Unternehmen. Zusammen mit dem Schal kam ein Jahreskreisrad, das „Wheel of the Year“. Es hat mich so sehr angesprochen und fasziniert, dass ich begann, mich – neben den fünf Wandlungsphasen der chinesischen Medizin – vertieft mit den Jahreskreisfesten zu befassen. Der achtteilige, heute populäre und weit verbreitete „Wheel of the Year“ ist erst seit dem 20. Jahrhundert verbreitet und entspringt der modernen Wicca-Tradition beziehungsweise dem modernen Paganismus. Ostara, Litha und Mabon sind Beispiele für Namen, die erst im modernen Paganismus populär wurden. Jedes Jahr befasse ich mich aufs Neue mit den Jahreskreisfesten. Ich leere meine Tasse – meine Lieblingsmetapher dafür, bekannte Konzepte loszulassen und bewusst Platz zu schaffen, um Neues aufzunehmen – und vertiefe. „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen…“ – und so ergeht es mir auch mit den Jahreskreisfesten. Von Jahr zu Jahr wachse ich mit ihnen, tauche tiefer in das zyklische Werden und Vergehen, sterbe und werde neu geboren. Einer der wichtigen Sätze, die ich mir von meinen Zen-Lehrern tief eingeprägt habe, lautet, dass es wichtig ist, fortwährend ein „frisches Herz“ zu gebären – und dass genau das zugleich zu den großen Herausforderungen des Lebens gehört.
Die Jahreskreisfeste waren und sind für mich achtsame Anker im Jahreslauf geworden. Ich zelebriere sie nicht zwangsläufig in Gemeinschaft. Auch das pflege ich organisch – so, wie es mit dem Lebensfluss gerade stimmig ist. Beruflich begegne ich in unserer naturheilkundlichen Praxis sowie in unseren Seminaren und Ausbildungen vielen unterschiedlichen Menschen. Gerade deshalb wähle ich bei den Jahreskreisfesten manchmal bewusst den Rückzug.
Sie sind für mich Räume des Innehaltens, der Dankbarkeit und Wertschätzung. Diese Verankerung im Jahreskreislauf gibt uns Menschen Halt, Struktur und Stabilität. Sie erinnert uns an unsere Verbundenheit und daran, dass wir stets in zyklische Prozesse eingebunden sind. Ähnlich bereichernd empfinde ich auch die fünf Wandlungsphasen der chinesischen Medizin. Sie begleiten mich noch viel länger – seit meinem ersten innigen Kontakt mit den chinesischen und japanischen Künsten vor über 25 Jahren. Sie begeistern mich nicht nur theoretisch, sondern vor allem in der Praxis. Gerade die Qi-Gong-Praxis war für mich ein wichtiger Schlüssel, die Theorie in die Verkörperung zu integrieren.

Seit über zwei Jahrzehnten begleite ich nun Menschen durch innere und äußere Wandlungsprozesse – in der Praxis, in Seminaren und in Ausbildungen. Die Jahreskreisfeste sind dabei für mich zu einem stillen, verlässlichen Kompass geworden, den ich nicht mehr missen möchte.
Betrachten wir kurz die Jahreskreisfeste, die heutzutage an Popularität gewinnen:
Lichtmess / Imbolc (Anfang Februar)
Frühlings-Tagundnachtgleiche / Ostara
Walpurgis / Beltane
Sommersonnenwende / Litha
Schnitterfest / Lughnasadh (1. August, gälisch) oder Lammas (1. August, christlich-englisch)
Herbst-Tagundnachtgleiche / Mabon
Allerheiligen / Samhain
Wintersonnenwende / Yule beziehungsweise Jul
Sehr gut belegt und dokumentiert sind sicherlich die Sonnwenden – die Winter- und die Sommersonnenwende. Es sind astronomische Ereignisse, die Menschen seit Jahrtausenden bewegen. Man denke an Stonehenge, Newgrange oder das Sonnenobservatorium Goseck in Deutschland, das ich dieses Jahr unbedingt besuchen möchte. Es wurde vor über 7.000 Jahren errichtet und besteht aus konzentrischen Kreisen, Gräben und Toren. Seine drei präzise ausgerichteten Tore dienten als Visiereinrichtungen zur Beobachtung der Sonne zu den Sonnenwenden.
Dies – und so viel mehr – gibt es zu entdecken. Mich fasziniert es immer wieder aufs Neue zu erforschen, was unsere Altvorderen zelebriert haben, was sich über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende bewährt hat – und zugleich wahrzunehmen, wo unsere heutige Interpretation beginnt. Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto mehr Fragen tauchen auf – und ich finde das wunderbar. Je tiefer man in die Materie einsteigt, umso bewusster wird einem, wie wenig wir eigentlich wissen. Und genau das lässt uns demütig bleiben.
Die Reise durch die Jahreskreisfeste darf vor allem eine Reise ins Innere sein. Sie erinnert uns an die Verbundenheit, an das Eingebundensein in zyklische Kreisläufe und an das beständige Werden und Vergehen in der Natur. Die Jahreskreisfeste erinnern uns jedoch nicht nur an die Vergänglichkeit, sondern vor allem an die Kostbarkeit des Lebens und des Augenblicks – und zugleich an das, was unvergänglich und ewig ist.

Die Kraft des Herzens, die sich in Mitgefühl und der Fähigkeit zu lieben ausdrückt. Wenn es eine Kraft gibt, die Zeiten und Kontinente überspannt, dann ist es in meinen Augen diese Kraft des Herzens. Die Reise vom Kopf ins Herz, von der Trennung in die Einheit und Verbundenheit, gehört zu den wichtigsten und großen transformativen Reisen, die wir – neben Geburt und Tod – in diesem Leben unternehmen. Es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit, dass die "Magie der Jahreskreisfeste" nun unser Wirken in der Online-Akademie eröffnen darf. Mit Herzblut habe ich die Audioreise durch den Jahreskreis über das vergangene Jahr konzipiert und nun ins Leben gerufen.
Diejenigen, die diesen Weg vertiefen möchten, sind herzlich willkommen. Die "Magie der Jahreskreisfeste - von Lichtmess bis zur Wintersonnwende" beginnt am 21.3. und mit dem Booklet am Ende unserer Reise, darf sie dich weiter durch deine Jahreskreise begleiten und Früchte tragen. Du findest Details bei den Terminen - ich freue mich auf dich!