Daowege

fernöstliche Heil- & Bewegungskünste

Taijiquan
 

Taijiquan (太极拳; sprich Tai Dschi Dschuan) gehört zur Familie der “inneren Kampfkünste” (内家拳; Neijiaquan; sprich Nei Dschia Dschuan). Der Legende nach wurden sie von dem daoistischen Weisen Zhang Sanfeng begründet. Dieser beobachtete eines Tages einen Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich. Während der Kranich sich bemühte die Schlange mit starken, kräftigen Stößen des Schnabels zu attackieren, wich diese mit sanften, geschmeidigen Bewegungen aus und gewann dadurch diese Auseinandersetzung für sich. So zeichnet sich auch das Taijiquan durch einen sanften, fließenden Bewegunsablauf aus. Heute wird es weltweit vor allem mit dem Aspekt der Gesundheitspflege praktiziert. Es kultiviert die körpereigene Lebenskraft Qi (氣 ; sprich Tschi), die Atmung und die Balance und stärkt somit die Gesundheit. Taijiquan ist eng mit der Philosophie des Daoismus verbunden und kann helfen die Einheit mit der Natur wieder zu erfahren. Der achtsame Bewegungsablauf führt zur Beruhigung des Geises wodurch auch Gelassenheit und Heiterkeit kultiviert werden.

Die Bewegungen des Taijiquan erinnern an die Qualitäten des Wassers: in seiner Nachgiebigkeit passt es sich den Widerständen an und doch kann es in seiner geballten Kraft Dämme einreißen. Auf diesem Prinzip basieren die kämpferischen Aspekte dieser schönen Kampfkunst.

 

Stilübergreifendes Taijiquan

In der Geschichte des Taijiquan haben sich viele Stile herauskristallisiert. Alte eher familiengebundene Stile wie das Zhao-Bao und das Chen-Taijiquan, daraus hervorgegangen Stile wie Yang, Wu oder Sun-Stil oder monastische Traditionen wie das Wudang Taijiquan.

 

“Der Tor sieht die Unterschiede, der Weise die Gemeinsamkeiten” chininesisches Sprichwort

 

Das Taijiquan, welches Sie über Daowege lernen ist sehr vielseitig, verpflichtet sich aber nicht einer einzelnen Tradition. Dao (道, auch Tao) bedeutet ursprünglich einfach Weg. Der Begriff des Dao geht aber über diese simple Bedeutung hinaus. Er bezeichnet auch den Weg der Vervollkommnung (von Körper und Geist) . Auf japanisch wird das chinesische Dao “Do” ausgesprochen und so zeichnen sich auch Kampfkünste wie Aikido, Judo, Kendo und andere dadurch aus, dass diese ein Hilfsmittel zur Kultivierung des eigenen Seins sein sollen. Außerdem findet sich der “Weg” auch in den Künsten des Shodo (Tuscheweg = Kalligrafie), Kyudo (Weg des Bogens) und anderen chinesischen und japanischen Traditionen.

Somit geht es uns darum mit Hilfe des Taijiquan Geist und Körper zu kultivieren. Dafür ist es nicht wichtig in welcher Tradition man übt. Alle Traditionen haben Ihre Besonderheiten und sind es Wert gepflegt zu werden. Ein stilübergreifendes Taiji würdigt diese unterschiedlichen Qualitäten.

Unser Taijiquan-Unterricht versteht sich als harmonischer Dreiklang aus Gesundheits- und Geistespflege und der Anwendung als Kampfkunst.

 

Die Formen

Im Taijiquan haben sich verschiedene Bewegunsabläufe entwickelt, welche auch als “Formen” bezeichnet werden. Im folgenden bekommen Sie einen Einblick der Formen, welche Sie bei Daowege lernen können.

 

Die 24er Form (auch Pekingform genannt)

Die Peking-Form entstand in den 1950er Jahren aus dem Bestreben der chinesischen kommunistischen Regierung eine Art “Heilgymnastik” für ArbeiterInnen zu etablieren. Dieser fragwürdigen Bestrebung gelang es allerdings nicht das Taijiquan zu korrumpieren, so dass diese Form immer noch die wichtigen Elemente dieser Kunst beinhaltet. Aufgrund Ihrer kurzen Form ist sie sehr gut geeignet, um einen Einstieg in das Taijiquan zu finden. Da die Peking-Form aus einer Komprimierung der langen Yang-Form entstanden ist beinhaltet sie primär Bewegungen aus diesem Stil.

 

Die 48er Form

Ist eine eher junge Form, welche 1976 von der “Chinese National Athletic Association” entwickelt wurde. Sie beinhaltet 48 “Figuren” und hat im Gegensatz zur 24er Form Einflüsse aus vier Hauptstilen des Taijiquan: Chen, Wu, Yang und Sun. Das macht ihren besonderen Reiz aus und Kenner der 24er Form werden überrascht durch die Fülle an neuen Elementen.

 

Die 42er Schwert-Form

Ist eine Form welche grundlegende Prinzipien der Schwertführung vermittelt. Die Bewegungen des Taiji-Schwertes sollen dabei an den Flug des Drachen erinnern.

 

Die 64er Fächer-Form (Qianlong Fächer)

Diese sehr ästhetische Fächer-Form geht der Legende nach auf Kaiser Qianlong (1711-1799) zurück. Dieser soll angeblich in Verkleidung und nur mit einem Fächer bewaffnet durch das chinesische Reich gezogen sein. Die Fächer-Form versteckt in ihren Bewegungen Element aus anderen Waffen-Formen (wie z.B. des Säbels) und schult sehr intensiv die Beinarbeit.

 

Taiji Bluedragon Stock

Eine Form von Prof. Sui Qingbo, welche Stocktechniken mit Techniken von Lanze und Hellebarde kombiniert. Sie ist sehr spannend und abwechslungsreich und schult in besonderem Maße den richtigen Einsatz von Schulter und Rücken.